Das Bügeleisen

Was für den einen sogar entspannend sein kann, ist für den anderen eine der lästigsten Haushaltsaufgaben. Vor allem ist das Glätten von Kleidung aber seit Jahrtausenden eine gängige Praktik. Die allgemeine Bearbeitung von Kleidung ist bereits aus der Steinzeit überliefert. Das Glätten von Wäsche für eine leichtere Verarbeitung und einen höheren Tragekomfort findet sich in ähnlicher Form bei allen alten Hochkulturen wie den Ägyptern oder den Chinesen. Diese waren aus Stein oder Ton und die Wäsche wurde noch allein mit Muskelkraft geglättet. Auch die Wäsche zu klopfen war eine verbreitete Methode, um diese in Form zu bringen. Interessant ist an dieser Stelle, dass sich in allen alten Hochkulturen, unabhängig davon, ob sie Kontakt nach außen hatten oder nicht, Techniken für das Bearbeiten und Glätten von Wäsche entstanden, welche sich ähnelten. So nutzen zum Beispiel Menschen in China zur Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. Bis 220 n. Chr.) eine mit einem Gemisch aus glühenden Kohlen und Sand befüllte Metallpfanne.

 

https://museen-sh.de/Objekt/DE-MUS-482219/lido/2010VK134

 

Bis zur Entwicklung der Bügeleisen, die heute in den meisten Haushalten zu finden sind, sollte es noch etwas dauern.

 

Flacheisen aus dem Bestand des Mühlenhofes (2009/0031)

 

Im 15. Jahrhundert nutzte man noch sogenannte Flacheisen, die ganz aus Metall bestanden. Diese wurden auf einem Gasherd oder Kohleofen so lange erhitzt, bis das Eisen so heiß war, dass man die Wäsche glätten konnte. Damit die Eisen möglichst schnell heiß wurden, gab es spezielle Aufsätze für den Herd sowie Bügeleisenöfen. Diese waren vor allem bei größeren Haushalten sinnvoll. Ein Problem bei den Flachseisen war es, dass die Metallgriffe sich ebenfalls erhitzten und die Nutzerinnen somit bei jedem Bügelvorgang Gefahr liefen sich zu verbrennen. Man wickelte Tücher oder einen nassen Lappen um den Griff, alternativ zog man sich einen dicken Handschuh über. Manche Hersteller lieferten auch einen Holzüberzug für den Griff mit. Durch den flachen Körper des Eisens konnte nicht viel Wärme auf einmal gespeichert werden, wodurch der Bügelvorgang öfter unterbrochen werden musste.

 

Volleisen aus dem Bestand des Mühlenhofes

 

Das Modell des Block- oder Volleisens war deutlich dicker und mit knapp 5 Kilogramm auch deutlich schwerer als das Flacheisen. Durch den deutlich größeren Körper hatte das Eisen eine höhere Wärmekapazität. Auch dieses Modell wurde auf dem Herd oder einem Ofen erhitzt. Im Vergleich zum Flacheisen gab es hier schon Modelle mit Holzgriff.

Damit der Bügelvorgang nicht immer wieder länger unterbrochen werden musste, weil das Eisen zu kalt geworden ist oder man zwischen zwei Bügeleisen wechseln musste, entwickelte man den Wechselgriff. Dieser war mit einem Stift oder Eisenhaken am Eisenkern befestigt.

 

Bolzeneisen mit Wechselgriff zum Einspannen

 

Eine Weiterentwicklung des Wechselgriffeisens ist das Satzeisen. Die Idee bei diesem Modell ist es, dass es die Nutzerinnen mehrere Eisen haben und einen abnehmbaren Griff. Mit Hilfe eines Klemmmechanismus konnte der Griff schnell zwischen den Eisen gewechselt werden.  Ein Eisen war also in Benutzung, während das andere aufheizte. So musste man die Arbeit nie lange unterbrechen und man hatte immer ein Eisen im Feuer.

 

Satzeisen auf dem Bestand des Mühlenhofes (2009/0070.1.-2.)

 

Anders als bei den Volleisen-Modellen, wird bei den Bolzeneisen nicht das gesamte Bügeleisen erwärmt, sondern nur ein Bolzen, der nach dem Erhitzen in den Körper des Bügeleisens eingeführt werden kann. Diese Modelle waren meist aus Eisen, Stahl oder Messing, nach vorne spitz zulaufend und an der Rückseite gerade. An der Rückseite befand sich auch die Öffnung für die Bolzen, welche durch eine Klappe verschlossen werden konnte. Dabei lag der Bolzen nicht auf der Sohle des Bügeleisens auf – das wäre zu heiß geworden – sondern lag mit etwas Abstand zur Sohle auf einem Grat. Der Griff des Bügeleisens war meist aus Holz. Dieses Modell war in vielen Fällen schon verziert und kein einfaches Stück Eisen mehr.

 

Bolzeneisen aus dem Bestand des Mühlenhofes (2002/23)

 

Ochsenzungen – Bolzeneisen aus dem Bestand des Mühlenhofes (2003/54)

 

Das Kohle-oder Glühstoffbügeleisen funktioniert mit einem ähnlichen Prinzip. Bei diesem Modell wurden keine heißen Bolzen eingeführt, sondern es wurden glühende Kohlen in einen Hohlraum gefüllt. Der Griff war aus Holz und die Eisen selbst waren künstlerisch gestaltet. Je nach Modell gab es an unterschiedlichen Stellen Löcher für die Luftzufuhr und den Rauchabzug. Dieses Modell brachte zwei Nachteile mit sich. Zum einen konnte aus den Luftlöchern am Eisen immer wieder Kohle herausfallen und somit die frische Wäsche direkt wieder verschmutzen. Zum anderen waren die Nutzerinnen immer den Abgasen der Kohle ausgesetzt. Es gab Ansätze zur Lösung dieser beiden Probleme. Damit die Nutzerin nicht direkt im Rauch stand, wurde ein kleiner Kamin hinzugefügt, welcher den Rauch ableitete, sodass dieser an der Nutzerin vorbeigeleitet wurde. Eine andere Idee war, dass man keine Kohlen zum Beheizen des Eisens nutze, sondern Glühstoff. Dieser war schmutz- und rauchfrei und hielt länger warm.  

 

Kohlebügeleisen aus dem Bestand des Mühlenhofes (2009/96)

 

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Spiritusbügeleisen entwickelt, das hinter dem eigentlichen Bügeleisen über einen kleinen Tank verfügte. Von diesem Tank aus, in dem sich der Spiritus befand, führte ein Docht über eine Leitung in das Bügeleisen. Hier wurde der Spiritus vergast und in sechs bis 12 Löchern verbrannt. Die Bedienung dieses Bügeleisens war relativ schwierig. Das Modell konnte sich nie wirklich durchsetzen.

 

Spiritusbügeleisen aus dem Bestand des Mühlenhofes (2011/0004)

 

In den 1920er Jahren begannen viele größere Gemeinden ihre Stadtgasnetze auszubauen. Dies brachte auch neue Möglichkeiten für den Bügelprozess mit sich. Die Idee war es, das Bügeleisen direkt an die Gasversorgung anzuschließen. Das tat man zunächst mit zwei Schläuchen, einen für die Gas- und einen für die Luftzufuhr, später mit nur einem Schlauch. Dabei waren die Schläuche oft mit den Lampenanschlüssen verbunden. Der Verbrauch lag pro Bügelstunde bei 150 bis 200 Litern Gas. Da diese Methode allerdings ebenfalls Vergiftungs- bzw. Explosionsgefahren mit sich brachte, wurde das Gasbügeleisen schließlich abgelöst.

 

Und zwar von den Elektrobügeleisen, welche wir im Prinzip bis heute verwenden.
Um 1910 begann das Elektrobügeleisen auch in Deutschland seinen Siegeszug. Zwar wurde an einem mit Strom betriebenen Bügeleisen schon in den 1890er Jahren herumgetüftelt, dennoch brauchte die Durchsetzung seine Zeit. Bis 1920 verdrängte es schließlich den Großteil der Gasbügeleisen. Dabei musste auch an diesem Modell immer wieder nachjustiert werden. Wurde das Eisen zunächst nicht heiß genug, schaltete sich ab 1923 das Eisen mit Hilfe eines Bimetallreglers ab einer bestimmten Temperatur automatisch ab, um nicht zu überhitzen. 1925 wurden dann Birkaregler verbaut, sodass die Temperatur zwischen 150 Grad und 200 Grad eingestellt werden konnte. Dadurch konnte der Bügelprozess besser an die jeweiligen Textilien angepasst werden. Das Bügeln wurde insgesamt einfacher. Zu Beginn war das elektrische Bügeln im Vergleich zum Bügeln mit Gas jedoch noch recht teuer. Nach und nach setze es sich trotzdem auch in privaten Haushalten durch. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Nutzung von elektrischen Bügeleisen von Elektrizitätswerken unterstützt wurden. Diese vermieteten die Geräte.

 

Elektrobügeleisen aus dem Bestand des Mühlenhofes (2009/95)

 

Nach dem zweiten Weltkrieg fand eine starke Entwicklung statt. Das Regler-Bügeleisen wurde zum Standard, es wurden viele unterschiedliche Modelle auf den Markt gebracht und die Energienutzung wurde auch bei dem kleinen Haushaltsgerät immer weiter optimiert.

 

Elektrobügeleisen aus dem Bestand des Mühlenhofes (2011/112)

 

In den 1980er Jahren kam dann noch der Aspekt des Dämpfens dazu. Damit ist die Entwicklung des Bügeleisens bis heute abgeschlossen.

 

Literatur

Ditt, Karl (2011): Zweite Industrialisierung und Konsum. Energieversorgung, Haushaltstechnik und Massenkultur am Beispiel nordenglischer und westfälischer Städte 1880-1939. Paderborn u.a.: Schöningh.

Kurz, Josef (2006): Kulturgeschichte der häuslichen Wäschepflege. Frauenarbeit und Haushaltstechnik im Spiegel der Jahrhunderte. Heidelberg: Edition Braus im Wachter Verlag.

LoeCherbach (2011): Goetter, Glaetter, Glanzbuegeleisen. 3500 Jahre Textile Glätte- und Bügeleisen von den archaischen Anfängen bis zur frühindustriellen Moderne, Wuppertal: LoeCherbach.

Museum für Energiegeschichte(n): Immer ein Eisen im Feuer. Die Geschichte des Bügelns.